Den Felsenweibern unter den Rock geschaut

9. März 2019   Murau, Steiermark

Der Zufall ist als das stärkste Agens von Entdeckungen bekannt, aber die unbewussten Triebe dürften ihm in dieser Wirkung wenig nachstehen. Wenn man also auf der Landkarte zufällig auf die Ortsbezeichnung „Felsenweiber“ stößt muss dieser Name unverzüglich gegoogelt werden! Da ich in meiner Neugier dabei auch gleich ein Foto fand, das am Wandfuß eines „Klettergartens Felsenweiber“ eine verdächtige Felsritze zeigte war klar, dass die nächste Durchreise durch Murau unbedingt unterbrochen werden musste, um diesen Ort in Augenschein zu nehmen. Lindi war bei dieser ersten Gelegenheit am 26.12.2018 aber ob eines weiträumigen Windwurfs und der deshalb angebrachten zahlreichen Warn- und Verbotsschilder wenig begeistert vom Betreten des Klettergartens, und so besichtigte ich nur flüchtig den ersten Felskessel samt weitgespannter Halbhöhle.
\r\nBei der nächsten Schitourenaktion westlich von Murau am 9.3.2019 war auch Robert Greilinger mit von der Partie, der für eine entsprechende Reiseunterbrechung sofort zu begeistern war. Und nicht nur das: wie in alten Tagen überrascht er mich, als ich gerade mal die ersten 20 m Halbhöhle zu Papier gebracht habe mit der spitzbübischen Nachricht, dass gleich ums Eck eine viel bessere Höhle wäre, und ein Stück weiter überhaupt eine riesige Halbhöhle mit möglicher Schlotfortsetzung. Die Sache ist aber wieder mal wahr, und wir holen uns von unseren Frauen telefonisch Dispens für noch eine halbe Stunde Fahrtunterbrechung, was uns aber gerade mal ermöglicht, die erste 37m breite Halbhöhle und die zweite etwas weniger ausgedehnte und ebenfalls 9 m lange Halbhöhle fertig zu vermessen. Es bleibt kaum Zeit, die vielen Sportkletterrouten zu bestaunen, die aus den teils waagrechten Höhlendächern schier grifflos nach oben ziehen. Höhlenspürhund Robert meint dann aber noch, wir sollten unseren Rückweg unter der unterhalb des Klettergartens gelegenen Felswand vorbei nehmen, und dort stoßen wir gleich auf eine kleine Quellhöhle (die vierte katasterwürdige Höhle!) mit beachtlicher Schüttung und Quellfassung. Noch ein Stück weiter saftelt die nächste Quelle mitten aus der Wand und über einen moosigen Wandstreifen herab. Ein Blick auf den Laserscan verrät: der Südhang der Stolzalpe ist nur so durchzogen von Felsbändern und Wandstufen.
\r\nWenn auch von den echten Felsenweibern nur mehr Grundmauern-Reste einer Behausung in der ersten Haupthöhle zu sehen sind, und auch gerade keine modernen Felsenweiber da sind danken wir Zufall und Neugier für die Entdeckung dieses netten Karst- (und Kletter)gebietes.
\r\nNachtrag, 17.3.2019: Auch auf der Rückfahrt von den Firn- und Pulverschneehängen Osttirols ist eine "Rast" willkommen, und so messen wir uns nochmals im Eilzugstempo gut 200 m durch die Gegend und die zwei restlichen Höhlen. Unsere zwei Felsenweiber genießen derweil die Sonne auf den Bänken des Klettergartens...

Mit dabei: Robert Greilinger, Eckart Herrmann
Vermessen: 36 m

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Erste Felsenweiberhöhle. F: Robert Greilinger
Erste Felsenweiberhöhle. F: Robert Greilinger
Felsenweiberhöhle 2. F.: Robert Fröhlich
Felsenweiberhöhle 2. F.: Robert Fröhlich
Kultplätze des Rockclimbings. F.: Eckart Herrmann
Kultplätze des Rockclimbings. F.: Eckart Herrmann
Quellhöhle. F.: Eckart Herrmann
Quellhöhle. F.: Eckart Herrmann
gebänderter Marmor vom Rocksaum der Felsenweiber. F.: E. Herrmann
gebänderter Marmor vom Rocksaum der Felsenweiber. F.: E. Herrmann

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