Steirische Katasterarbeiten # 2 oder: wer geht heute noch Höhlenforschen?

1. Mai 2019   Rettenwand, Kapfenberg

Hannes Ruf nach Unterstützung wird zwar wieder weit gestreut, verhallt in Graz und Wien aber weitgehend ungehört. Also wieder einmal nur zu zweit, und infolge meines Raunzens von wegen weiter Fahrerei aus Wien zieht Hannes kompromissbereit ein paar aufzuarbeitende Höhlen in der Rettenwand bei Kapfenberg aus dem Hut, wobei er mir eine halbe Stunde Anfahrtszeit abnimmt. In der Früh meldet sich dann noch Monika als Teilnehmerin, die ja seit einiger Zeit in Kapfenberg wohnt.
\r\nSo ziehen wir zu dritt los, um die Lage der schon von Hermann Bock erforschten Höhlen Schachthöhle und Efeuhöhle in der Rettenwand zu bestimmen, und von der (völlig unpassend so benamsten) Schachthöhle auch einen neuen Plan zu zeichnen, weil es bisher nur eine grausliche Skizze gibt, nebst einen unlesbaren Lageplan. Am oberen Wandrand angekommen sind wir uns aber sicher, wo wir uns abseilen müssen, so dass ich mich dazu hinreißen lasse, mich gleich ohne Höhlenmontur samt Rucksack über die Wand hinunterzulassen. Leider ist die zwar senkrechte Wand sehr erdig und bewachsen, und infolge der herrschenden Trockenheit regnet es Ströme von Erde und Staub auf mich herab, sobald ich mich unvermeidlich im vertikalen Urwald verheddere. Natürlich war es die falsche Stelle, und so stehe ich bald kohlrabenschwarz wieder oben im Wald.  Hannes ist mit einer Sichtung etwas erfolgreicher, dennoch benötigt es einen dritten Anlauf, um endlich die richtige Abstiegslinie in das Portal der Schachthöhle zu erwischen, von der man über ein „fußbreites“ Band zur Efeuhöhle queren kann.
\r\nDie Schachthöhle ist klein, aber wunderschön, und es macht regelrecht Spaß, ihre unter Wasser entstandenen Profile zu Papier zu bringen. Anschließend besuchen wir noch schnell die Efeuhöhle, in der wir dunkelrote Nagellack-Punkte finden, die mit Sicherheit nicht von Hermann Bock aus den 1920ern stammen. Noch sehr viel länger zurück datiert die Entstehung der heute knapp unter der Wandkante, hoch über dem Talboden liegenden Höhlen. Bemerkenswert ist auch, wie dünn die Kalkmauer der Rettenwand ist: 20 m hinter der Wandoberkante stehen schon paläozoische Schiefer an.

Mit dabei: Eckart Herrmann, Monika Schöner, Johannes Wallner
Vermessen: 106 m

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Rettenwand. F.: E. Herrmann
Rettenwand. F.: E. Herrmann
Abseilen in die horizontale "Schachthöhle". F.: E. Herrmann
Abseilen in die horizontale "Schachthöhle". F.: E. Herrmann
Eine kleine Kolkstufe ist schon drin. F.: E. Herrmann
Eine kleine Kolkstufe ist schon drin. F.: E. Herrmann
Profil des mittleren von 3 Eingängen. F.: E. Herrmann
Profil des mittleren von 3 Eingängen. F.: E. Herrmann
Efeuhöhle. F.: E. Herrmann
Efeuhöhle. F.: E. Herrmann

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