Hell's Mountains VI

30. Juni bis 5. Juli 2019   Höllengebirge / OÖ

\r\n Von 30.6. bis 5.7. fand heuer zum sechsten Mal die Höllengebirgsforschungswoche des LV Wien / V f Höhlenkunde Ebensee statt, Stützpunkt war in altbewährter Weise das Feuerkogelhaus, wo wir wie immer aufs Beste bewirtet wurden. Mit 12 Teilnehmern, die sich im Schichtbetrieb unser 8-Bett-Zimmer teilten, war die Expeditionswoche heuer sehr gut besucht. Die Forschungen konzentrierten sich auf das potentialträchtige Edltal sowie auf die Gebiete rund um den Kaiserweg; auch in unmittelbarer Nähe des Feuerkogel-Gipfels konnte unvermutet zwischen den Latschen ein gar nicht so unbedeutender Schacht gefunden werden. Die brutale Hitze, die abendlichen Gewitter und der von Jahr zu Jahr dichtere Latschenbewuchs machten den Teilnehmern allerdings ein bisschen zu schaffen.
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\r\n Das Edltal, wo letztes Jahr mit der Historischen Höhle ein überraschender und nach wie vor potentialträchtiger Fund getätigt worden war, lag heuer aufgrund des überaus schneereichen Winters größtenteils unter einer Schneedecke – sämtliche als interessant vermerkte Löcher waren bis an den Rand mit Schnee angefüllt. Wo die 5 m tiefe Doline, die in die Historische Höhle führt, sein sollte, glänzte ein ebener Schneeboden in der Sonne. Ein paar kleinere Objekte konnten dennoch gefunden und vermessen werden: Das Edltaldurchgangl (GL 8 m), die Locker-Flockig-Höhle (GL 15 m) sowie der 14 m tiefe Kategorie-2-Schacht (GL 16 m).
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\r\n Die deutlich steilere Gegend rund um den Kaiserweg war von den Schneemassen offensichtlich weniger betroffen, wenngleich auch dort der Winter seine Spuren hinterlassen hat. Das Einstiegsloch in der Nebelmonsterdoline, welches in die Hüttenwirtehalle der Hochschneid-Eishöhle führt, ist offenbar von der Halle aus mit Schnee zugefüllt worden und war komplett verschlossen – damit hätte von uns niemand gerechnet. Auch die weiter in die Tiefe führende Randkluft ist zurzeit zu – für die tieferen Eisteile wohl kein Nachteil. Ein Zustieg in die Hüttenwirtehalle war dennoch über den mehr als 100 m tiefen Dohlenschacht möglich. Der Dohlenschacht wurde bis in die heuer ungewöhnlich finstere und tief winterlich verschneite Hüttenwirtehalle befahren und einer genaueren Vermessung unterzogen, auch wurde eine ausgesetzte Querung in rund 60 m Tiefe von Tanguy in sportlilcher Lassotechnik eingebaut. Der anschließene Gang („Wild West“) führt noch rund 40 m weiter und endet dort an unschliefbaren, bewetterten Spalten. Die Hochschneid-Eishöhle ist nun bei einer Tiefe von 162 m rund 700 m lang. Für gute, mutige Kletterer locken allerdings noch zahlreiche schwarze Löcher in den (aufgrund der Dimensionen leider nur schwer zu erreichenden) Schachtwänden. 
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\r\n In der Nähe der Hochschneid-Eishöhle konnten zwei weitere Objekte gefunden und vermessen werden: Die eher kleinräumige Malerische Brückenhöhle (GL 17 m) sowie der Phönixschacht (GL = T 37 m), wo ein massiver Schneepfropfen auf halber Schachttiefe eindrucksvolle Blicke weiter hinunter erlaubte. Da auch der Schachtgrund über einen eindrucksvollen Schneekegel verfügte, ist nicht auszuschließen, dass dort nach Abschmelzen des Schnees Fortsetzungen zugänglich werden könnten.
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\r\n Beim im vergangenen Jahr begonnenen „Mohrenprojekt“ östlich des Kaiserweges konnten 5 Objekte befahren und vermessen werden: Der Salinenblickschacht I (GL 22m ,T – 10m), der Salinenblickschacht II (GL 30 m, T -15 m), das Loch beim Dürren Baum (GL 6 m), das Mauswieselloch (GL 16 m), sowie der Clematisschacht (GL 29 m, T -28m). Peter, unser erstmals anwesender Historiker, welcher anfangs etwas enttäuscht darüber war, dass die von Czoernig in den 1940er Jahren beschriebenen Objekte im Edltal heuer nicht zugänglich waren, freute sich sehr über die Forschungserfolge am Kaiserweg.
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\r\n Etwas unerwartet kam der Fund des Signalstangenschachtes (GL 23 m , T -20 m) nahe des Feuerkogel-Gipfels. Der kleine Einstieg dieses Schachtes ist dermaßen mit Latschen zugewachsen, dass Bernhard bei der Höhlensuche fast hinein gefallen wäre. Eine tote Gämse am Schachtgrund hat den Einstieg leider nicht mehr rechtzeitig gesehen.
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\r\n Die Abende klangen nett bei Schweinsbraten, Zirbenschnaps und dem Schauen von Höhlenhorrorfilmen (Descent I und II) aus. Vielen Dank allen Mitforschenden!
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Mit dabei: Dietmar Allhuter, Peter Danner, Markus Dujmovic, Helmut Mohr, Wilfried Mohr, Bernhard Lentner, Brigitte Macaria, Tanguy Racine, Paul Salomon, Wetti Wielander, Manfred Wuits,Brigitte Wyss
Vermessen: 420 m

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Nebelmonsterdoline im Laufe der Jahre. Fotos: M. Wuits
Nebelmonsterdoline im Laufe der Jahre. Fotos: M. Wuits
Dohlenschacht. Foto: M. Wuits
Dohlenschacht. Foto: M. Wuits
Edltal - hier sollte die Historische Höhle sein. Foto: W. Mohr
Edltal - hier sollte die Historische Höhle sein. Foto: W. Mohr
Salinenblickschacht II - Foto H. Mohr
Salinenblickschacht II - Foto H. Mohr

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