Dritthöchste Höhle in NÖ

20. Oktober 2019   Schneeberg, NÖ

Natürlich handelt es sich hier nicht um ein neu entdecktes Schlotsystem, sondern um eine Leserfalle. Aber eine neue Höhle in über 2000m Seehöhe in NÖ ist doch auch etwas Besonderes!

Entdeckt hat das neue Loch der Berg-und Schiführer Peter Groß bei einem schottisch anmutenden Alpintraining im ersten Schnee des Jahres 2019 in der Gipfelwand des Kaisersteins. In diesem vom Klimawandel bedrohten Reliktstandort des Alpinismus (dem östlichsten im Alpenbogen und einzigen, den man an manchen klaren Tagen mit Fernglas von Wien aus sehen kann) war bisher keine Höhle verzeichnet. 12 Tage nach der Entdeckung ist der Schnee längst wieder verschwunden, und es ist am Schneebergplateau (!) windstill, sonnig und trocken bei gefühlten 20° Celsius. Bei unserem Geländestudium von der Einfahrt in die Breite Ries aus sehen wir nicht nur die Neuentdeckung sondern gleich auch noch einen frisch aussehenden Schacht in einer Schuttrinne weiter unten zwischen den Felsrippen, und im Tiefblick vom Gipfel aus ein Durchgangsloch in einer auffällig querstehenden Felsmauer. Dank der genauen Angaben von Peter Groß und unserem Geländestudium wählen wir gleich den richtigen Abseilpunkt und erreichen 35 m tiefer das überraschend geräumige Portal seiner Neuentdeckung. Es wird von einer Maus bewohnt, offenkundig einer Hofratswitwe.

Im Inneren ist das Objekt nicht besonders schön, ja sogar ziemlich baufällig, die Tür in den abschließenden Schacht-Schlotraum wäre regelrecht behördlich zu sperren. Arenalinjunkies können aber das sperrende Bruchwandl mit beidseits lose auflagerndem Türstock überklettern, um auch diesen 16 m hohen und bis 10 m weiten Raum zu betreten. Jene, die hier einst ein Brett hinterlassen haben sind vielleicht noch sorglos über einen Firnteppich in dieses Hinterzimmer geschritten. Am Rückweg bereitet uns bei der Außenvermessung zum Gipfel-KT-Stein nicht nur das pralle Sonnenlicht Probleme sondern auch der sonntägliche Massenansturm. Es ist, als wollte man in einer vollen U-Bahn den Waggon mit DistoX ausmessen. Immerhin ignorieren uns die Leute in der Masse derart, dass wir auch nicht wegen unseres lehmigen Outfits mit Helm, Lampe und Gurt angesprochen werden. Die Auswertung der mühsam gewonnenen Daten ergibt für die 29m lange Höhle, nun: Kaisersteinhöhle, eine Eingangshöhe von 2019m – was hinter dem geradezu unschlagbaren Hackersteinschacht (2053m; Schneeberggipfel: 2076m!) und der Klosterwappenhöhle (2042m) den dritten Platz bedeutet.

Mit dabei: Eckart Herrmann, Peter Straka
Vermessen: 29 m

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Oben das neue, unten ein noch unbekanntes Loch, dazwischen die Quellensteigrinne für Meister des Schisports. F.: E. Herrmann
Oben das neue, unten ein noch unbekanntes Loch, dazwischen die Quellensteigrinne für Meister des Schisports. F.: E. Herrmann
Peter am Weg zum Loch. F. E. Herrmann
Peter am Weg zum Loch. F. E. Herrmann
Blick aus der Kaisersteinhöhle. F.: Peter Straka
Blick aus der Kaisersteinhöhle. F.: Peter Straka
Das Portal in den Schlotraum. F.: Peter Straka
Das Portal in den Schlotraum. F.: Peter Straka
Höhle mit Panorama. F.: Peter Straka
Höhle mit Panorama. F.: Peter Straka

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